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Bildgewebe in spätantiken Textilien No.1

 

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Spätantike Textilien faszinieren durch ihr aufwändiges Bildprogramm, das in die Stoffe eingewebt ist. Als Weber fragt man sich schnell, mit welcher Technik dies umgesetzt wurde, und ob es eine Möglichkeit gibt, dies in irgendeiner Weise zu replizieren und dem hochwertigen Reenactment zu erschließen.

 

Ursprünglich wurden verschiedene Techniken benutzt, um gemusterte Ornamente und Clavi direkt in ein Grundgewebe einzuarbeiten. Die wichtigsten sind dabei Schlitzwirkerei und "Fliegende Nadel" (1). Mit der Schlitzwirkerei wurden größere Flächen gestaltet, mit der "Fliegenden Nadel" feine Linien. Das bei der Schlitzwirkerei entstehende Gewebe ist im Prinzip eine Tapisserie, gekennzeichnet durch eine sehr hohe Schussdichte und ripsartigen Strukturen. Alles in allem sind das äußerst zeitaufwändige Techniken, die jahrelange Übung benötigen um die Perfektion zu erreichen, die für eine Nachbildung spätantiker Textilien notwendig wären.

 

Seitdem wir die Jacquardwebstühle in unserer Manufaktur benutzen, mit deren Hilfe es einfacher ist, Bildgewebe zu erzeugen, stand die Überlegung im Raum, ob die Technik nicht auch zum Anfertigen von Schlitzgeweben genuzt werden könnte. Dies möchten wir jetzt mit verschiedenen Technikstudien herausfinden.

 

1. Ziel

 

Erstellen einer Technikstudie, bei der eine Verbindung von leinwandbindigem Grundgewebe mit einem eingewebten farbigen Ripsgewebe hergestellt wird. Bei einem Beispiel einer spätantiken Woll-Tunika (2) ist deutlich zu sehen, dass die Tabula nicht aufgenäht ist, sondern eingewebt ist. Erkennbar an den gelblichen Kettfäden, die an verschlissenen Stellen der Tabula sichtbar geworden sind. Um dies zu erreichen, muss eine Veränderung an der Webstuhlsteuerung vorgenommen werden, die es erlaubt, die strenge Rapportierung des Jacquardharnischs aufzubrechen und gleichzeitig feine Leinwandbindung und gröbere Ripsbindung zu weben. Dies kann entweder durch abwechselnde Lochkarten für Leinwand- und Ripsbindung geschehen, oder durch Anbringen zweier vorgelagerter Schäfte für Leinwandbindung, die über die acht bei Jacquardgeweben für den Rand reservierten Platinen gesteuert werden. 

 

Anstehende Aufgaben

  • Entscheidung zum Material und Garnstärke für das Grundgewebe (ungezwirtes Leinen oder Wolle?)
  • passendes Material für den ripsbindigen Teil (gefärbte Wolle)
  • Entscheidung, welche Art der Ansteuerung (abwechselnde Lochkarten oder vorgelagerte Leinwand-Schäfte)

 

(1) Arndt, E. (2006): Handbuch Weben, S. 187 ff
(2) MAK (2005): Verletzliche Beute, S. 19


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